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Social Media vor den Wahlen

Schlechter könnte das Timing für den aktuellen US-Präsidenten Donald Trump vermutlich gar nicht sein. Im November stehen die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten an und das vermeintlich wichtigste Land der Welt brennt aus allen Luken: Stand gestern gibt es dort 2,8 Millionen Ansteckungen, rund 45-55 tausend (!) Neuansteckungen pro Tag. Zeitgleich versucht ein großer Teil des Landes, sich mit groß angelegten Demonstrationen und Kundgebungen von einem strukturellen Rassismus zu befreien, der in der US-Geschichte stets verankert war und bis heute trauriger Bestandteil dieser Gesellschaft ist. Außenpolitisch spielen die USA aus eigenem Antrieb heraus eine deutlich geringere Rolle, Verbündete sind irritiert und folgen nicht mehr widerspruchslos, Wettbewerber im globalen Machtspiel ergreifen ihre Chance. Es verlangt einiges an Kreativität, Naivität, ideologischer Borniertheit oder wenigstens unverhohlener Propaganda, um diese schwierige Situation irgendwie schön zu reden. Und schon naht die nächste Katastrophe: Die sozialen Medien fangen an, sogar die Inhalte der Trump-Kampagne zu moderieren.

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Eskalationsstufe Twitter

Ein paar Gedankenfetzen und Beobachtungen.

Es ist eine Mischung aus Faszination und Erschrecken, mit der man bei manchen Nutzern auf Twitter eine regelrechte Sucht nach Eskalation und Empörung beobachten kann. Viel bedarf es nicht. Eine schiefe (Unter-)Überschrift. Ein scharfer Artikel aus dem Nachrichtenportal der eigenen Wahl. Plötzlich: Blutdruck, Empörung, Superlative, Weltuntergang.

Gewiss – wer eine feste Haltung zu bestimmten Themen hat und sich durch Nachrichten in dieser Haltung bestätigt sieht, der neigt nicht unbedingt dazu, diese kritisch zu hinterfragen. Teilt sie einfach. Regt sich darüber auf. Überhaupt sind Reflexion und kritische Überlegungen nicht mehr in Mode. Dauert zu lang. Zu schwierig. Die Welt ist zu komplex. Es ist die Suche nach Occhams Rasiermesser – je einfacher die Lösung, desto richtiger muss sie sein. Wer differenziert, der relativiert.

Ein beliebtes Vorgehen: „Quod licet Iovi, non licet bovi.“ So ein Jupiter darf halt mehr als der gewöhnliche Ochs. Man dürfe doch nicht verallgemeinern, ruft es in die Twitterwelt hinaus, es seien doch nicht alle gleich. Und man selbst zuforderst nicht! Umrahmt von Verallgemeinerungen. Die natürlich in Ordnung sind. Sie richten sich gegen die andere Fraktion.

Muss es nicht furchtbar anstrengend sein, den ganzen Tag lang Endzeitstimmung zu produzieren? Aus jedem Event, jeder Nachrichtenzeile die schlimmsten Dinge abzuleiten? Sich selbst und die Welt in eine Alarmiertheit versetzen zu wollen, die längst nicht mehr wirkt, weil sie alltäglich geworden ist? Ein Kampf gegen Windmühlen.

Twitter ist eine seltsame Eskalationsstufe. So rasch, so überbordend, so endgültig, so vereinnahmend. Auf Twitter geht täglich die Welt unter. Fragt sich nur, ob die Welt das weiß. Meines Wissens gibt es keine offiziellen Zahlen zu Twitternutzern in Deutschland (freue mich über anderslautende Erkenntnisse). Vermutlich eskalieren sie gerade.

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Empörungswellen

„Kommt auf Twitter!“, haben sie gesagt. „Da ist es lustig! Da gibt es bezaubernde Menschen, tolle Wortwitze und kreative Geistesblitze!“, haben sie gesagt.

Ja und? Wo ist all das hin?

Ein kleiner Gedankenfetzen, warum Twitter für mich (ganz persönlich) nicht mehr den gleichen Reiz hat wie vor einigen Jahren. Und zeitgleich ein Geständnis, warum ich es trotzdem immer noch gern habe.