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Die USA wählen

Es ist wieder soweit. Die BürgerInnen der USA1Ich werde von Freunden aus südamerikanischen Ländern immer wieder pikiert darauf hingewiesen, dass es völliger Unsinn sei, wenn wir Deutschen von „Amerika“ sprächen, dabei aber nur die USA meinten. Schließlich seien sie auch Teil des Doppelkontinents Amerika. Insofern bemühe ich mich darum, die Vereinigten Staaten entweder so oder als USA anzusprechen. Aber manchmal rutscht es einem halt doch aus. wählen an diesem Dienstag ihre Präsidentschaft für die kommenden Jahre. Wobei, nein – das ist irreführend. Denn auf der einen Seite wird schon seit einiger Zeit fleißig gewählt. Beispielsweise mittels Briefwahl oder durch „early voting“.

Andererseits wird uns diese Wahl auch über den 3. November hinweg noch verfolgen. Erst einmal wird es dauern, bis alle eingegangenen Wahlstimmern ausgezählt worden sind. Wenn es nicht zu einem „landslide“ kommt, also dem Sieg einer Partei mit einem zweistelligen Vorsprung, dann wird es auf die endgültige Zählung aller Stimmen ankommen. Und selbst dann ist der Spuk sicherlich noch nicht vorüber. Nicht nur Donald Trump hat im Vorfeld bereits ausreichend Zweifel an der ordnungsgemäßen Durchführung der Wahlen gesät. Vermehrt kursieren auf Twitter derzeit auch Bilder von Poststationen, in denen sich die Briefwahlunterlagen stapeln – die aber aufgrund des defundings durch den von Trump eingesetzten Postchef nicht schnell genug prozessiert werden können und somit vermutlich einfach verfallen.

Die Weichen sind also gestellt für einen schmutzigen Kampf nach der Wahl. Um das zu verhindern, dafür bräuchte es politischen Anstand – und nötigenfalls das Rückgrat, eine Niederlage auch als solche einzugestehen. Donald Trump wird das nicht tun. Er sieht sich selbst als Geschäftsmann und die USA offenkundig als einen maroden Laden, den es abzuwickeln gilt. Versagen, eine Niederlage, grundsätzlich Kernelemente eines demokratischen politischen Systems, kommen in seinem Wortschatz nur für Opponenten vor.

Und Joe Biden? Die Demokraten haben jede Menge zu verlieren in dieser Wahl. Es war eine krachende, eine vernichtende Niederlage, die sie mit Hillary Clinton eingefahren haben. Wie hat man die WählerInnen und deren Haltung zu Clinton nur so falsch einschätzen können? Wenn sie nun diese Wahl auch noch verlieren, dürfte der demokratische Laden endgültig brennen. Denn recht viel einfacher könnte Trump es ihnen nicht machen – ein unfähiger Präsident, der nicht einmal groß zu leugnen versucht, dass er seine Präsidentschaft zu 99% auf Lügen stützt und der in den wichtigen politischen Kernthemen des Wahljahres vollständig versagt hat. In einem gesunden System müsste jeder gegen diesen Präsidenten gewinnen können. Schafft Joe Biden es nicht, der politisch gesehen wirklich nur die Konsenslösung darstellt, haben die Demokraten ein existenzielles Problem. Vermutlich selbst dann, wenn er es schafft. Können die Demokraten es sich also leisten, eine Niederlage einfach so einzugestehen?

Es ist wieder einer dieser Tage. Man geht abends zu Bett, schläft, und wenn man am nächsten Morgen aufwacht und aufs Handy blickt, hat sich die Welt verändert. Und selbst hier, fernab der Geschehnisse, erfüllt mich das ein wenig mit Sorge.

Von Stephan

Stephan ist derzeit Doktorand für Informatik an der Universität Basel. Er hat sowohl Ägyptologie als auch Informatik in München und Basel studiert. In seiner Dissertation wird er diese beiden sehr unterschiedlichen Studienfelder miteinander verbinden. Auch darum wird es auf dieser Webseite gehen - neben vielen anderen Bereichen, die in seinem Leben eine Rolle spielen.

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