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Frauen sind halt nicht ganz so lustig

Gestern wurde der Deutsche Comedypreis 2020 verliehen. Als beste Komikerin wurde Hazel Brugger ausgezeichnet, als besten Komiker hat man sich für Felix Lobrecht entschieden. Und beiden sei an dieser Stelle erst einmal eine Gratulation ausgesprochen – ganz offensichtlich wissen sie das Publikum von sich zu begeistern.

Daran anschließend kann man sich natürlich anschauen, wie beispielsweise Zeit Online über die Preisvergabe berichtet:

Quelle: Zeit Online

Auch die URL der Mitteilung spricht Bände: „[…]/kultur/2020-10/bester-komiker-comedypreis-felix-lobrecht“.

Sehr viel offensichtlicher kann man die Gewinnerin des Abends nicht degradieren. Während ein männlicher Gewinner sowohl die Titelzeile des Artikels als auch die Artikel-URL schmücken darf, findet die gleichrangige Gewinnerin gerade noch so Erwähnung in einem beigestellten Zusatz im Untertitel. Was soll ich daraus schließen? Ist der Preis für die Frau weniger wert? Mag Zeit Online die Schweizer LeserInnen einfach nicht? Ist die Frau für Zeit Online halt weniger witzig, wichtig, bedeutsam, erwähnenswert? Das Bewertungsgefälle allein in der Überschrift des Beitrags ist so offensichtlich, dass es einem 2020 fast die Kinnlade wegsprengt.

Dabei wäre es nicht schwierig gewesen, den Artikel neutral und fair zu gestalten: „Deutscher Comedypreis 2020 vergeben. Felix Lobrecht und Hazel Brugger sind Bester Komiker und Beste Komikerin des Jahres“ (oder ähnlich natürlich). Wenn man die Überschrift wirklich noch etwas aufhübschen muss, geschenkt, dann gebt eure Infos dazu, dass Lobrecht ein Stand-up Comedian und Hazel eine Schweizerin ist. Persönlich finde ich den Verweis auf die Herkunft zwar etwas absurd, zumal Hazel in Köln lebt und meines Wissens1Das klingt groß und wichtig, aber tatsächlich beschränkt sich mein Wissen auf irgendwelche Google-Überschriften. Kategorie „Dinge, die ich gar nicht wissen wollte und von denen ich auch gar nicht mehr weiß, wieso ich sie eigentlich weiß.“ auch gar nicht vor hat, in die Schweiz zurückzukehren. Man könnte aber auch argumentieren, dass ihr Schweizertum nun auch gerade ihr Erkennungszeichen ist, weswegen man sie in der Medienlandschaft leichter wieder zuordnen kann.

Trotzdem. Dass 2020 ein Online-Medium, das sich selbst ja doch vermutlich als qualitativ mehr oder weniger hochwertig bezeichnen würde, solche Hämmer abliefert – die Medienwelt hat wirklich noch viel aufzuholen.

Von Stephan

Stephan ist derzeit Doktorand für Informatik an der Universität Basel. Er hat sowohl Ägyptologie als auch Informatik in München und Basel studiert. In seiner Dissertation wird er diese beiden sehr unterschiedlichen Studienfelder miteinander verbinden. Auch darum wird es auf dieser Webseite gehen - neben vielen anderen Bereichen, die in seinem Leben eine Rolle spielen.

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