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Angeblickt – Vampire: The Masquerade

In aller Kürze. Vampire: The Masquerade ist ein Rollenspielwerk von White Wolf Publishing. In einer alternativen Realität, der „Welt der Dunkelheit“, verbergen sich Geschöpfe wie Vampire oder Werwölfe zwischen den Sterblichen und bilden Parallelgesellschaften. Finstere Intrigen, Politik und der nackte Kampf ums Über(un)leben prägen die Nacht. Und die Geschichten sind durchzogen mit Zweifeln, Angst, schwarzen Themen und noch finstereren Absichten.

In einer dunklen Seitengasse…

Eine kleine Vampirgeschichte. Manchmal laufen die Dinge nicht ganz rund in den finsteren Seitenstraßen der Nacht…

Robert hatte dieses aufgeregte Kribbeln im Nacken, als er um die Ecke bog und die dunkle Seitengasse betrat, in die ihn sein nächtlicher Ausflug geführt hatte. Ein kurzer Blick über die Schulter – doch niemand war ihm gefolgt. Er drückte sich zwischen einigen schweren Mülltonnen und der heruntergekommenen Hauswand hindurch. Etwa fünfzig Meter weiter machte die Gasse eine Biegung. Eine alte, funzelige Straßenlampe warf einen schwachen Lichtkreis auf den ansonsten pechschwarzen Betonboden. Zwei Silhouetten drückten sich gegen eine Hauswand. Er hätte sie vielleicht übersehen, hätte er nicht genau danach Ausschau gehalten.

„Clissa, was treibst du da?“, zischte er leise in die nächtliche Stille. Ein kurzer Moment des Schweigens, dann fauchte ihn eine Frauenstimme deutlich hörbar an.

„Du bist spät. Und die Gelegenheit war günstig.“

Robert ging näher heran. Die eine der beiden Figuren entpuppte sich als Clissa, eine junge Frau Anfang 20 mit einem sehr alternativen Kleidungsstil, eine wilde Mischung aus schottischen Karomustern und schwarzem Leder. Dazu große, schwere Ohrringe und ein blonder Ponyschnitt. Sichtlich widerwillig zog sie ihre Fänge aus dem Nacken der zweiten Gestalt, eines mittelalten Mannes, der Kleidung nach zu urteilen ein Lieferdienstler, der vielleicht gerade noch einen abendlichen Einkauf erledigen wollte. Noch bevor sich Clissa zu Robert umgedreht hatte, waren die beiden Wunden in der Haut des Mannes wie auf magische Weise schon wieder verheilt. Achtlos ließ sie den Körper des Mannes an der Wand entlang zu Boden gleiten.

„Du hast ihn doch nicht…?“, fragte Robert bestürzt, als er im fahlen Licht der Lampe das blasse Gesicht des Mannes betrachtete.

„Unsinn. Ich war hungrig. Nicht wahnsinnig.“

„Der Unterschied ist verschwindend gering. Was willst du? Was ist so wichtig, dass du es mir nicht am Telefon erzählen kannst?“

Clissa zischte und gab ihm mit einer Geste deutlich zu verstehen, dass er leiser sprechen sollte. „Wenn ich gewollt hätte, dass die Welt davon weiß, hätte ich dir die Nachricht aufs Hirn tätowiert, du Schmallappen!“

Robert lächelte, doch innerlich gab er ihr Recht. Trotzdem war ihr Verhalten ungewöhnlich. Ihr Telefon klingelte. Zweimal. Sie machte nicht einmal Anstalten, danach zu greifen.

„Sagt dir der Name William Penderton etwas?“, fragte sie ihn stattdessen.

„Ja. Ich hatte vor Kurzem mit ihm zu tun. Wie kommst du an den Namen?“

Clissa lächelte zuckersüß und schüttelte sachte den Kopf.

„Sag nur, du weißt nicht, mit wem du es da zu tun hattest?“

„Lass mich raten, mit Kain höchstpersönlich?“ Robert rollte mit den Augen. Der Verweis auf Kain, den vermeintlichen Urvater aller Vampire, war als sarkastische Antwort auf ihr Rätselspiel gedacht. Ihm war jetzt schon zuwider, dass er sich auf ihr Spielchen eingelassen hatte.

„Robert, wirklich. Du musst deine Hausaufgaben machen. William Penderton ist der Prinz der Stadt.“

Robert stockte – und fing dann unweigerlich an zu lachen. „Der Prinz der Stadt? Wieso nicht gleich einer der Ältesten? Die Camarilla hat hier seit über zwei Jahrhunderten keinen Fuß mehr in die Stadt gesetzt, und…“

„Und jetzt haben wir die Zügel in der Hand.“

Robert hielt inne. „Was war das?“

Clissas Lächeln blieb unverändert, als sie – elegant und mit einem selbstbewussten Hüftschwung – auf ihn zuging.

„Hast du ernsthaft geglaubt, dein kleiner Verrat bliebe unbemerkt? Es hat dem Prinzen gar nicht gefallen, dass du euer kleines Geheimnis einfach an den Meistbietenden weiterverkauft hast. Tragisch, dass dein Freund mit seinem teuer erkauften Wissen nichts mehr anfangen können wird.“

„Ihr habt mich hintergangen?“ Robert war außer sich. Ein Teil von ihm war in Rage. Er war einem taktischen Spiel aufgesessen und hatte nicht einmal gemerkt, mit wem er es zu tun gehabt hatte. Clissa, ein Teil der Camarilla? Nein, nicht einmal in einem Alptraum hätte er das für möglich gehalten.

Der andere Teil jedoch riet zu maximaler Vorsicht. Clissa spielte mit ihm. Sie fühlte sich überlegen. Und sie mochte überlegen sein. Wenn sie die Wahrheit sprach, dann hatte er sich mächtige Feinde gemacht.

„Nana, Robert. Eigentlich müsste man eher sagen, du hast uns hintergangen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie enttäuscht William war. Wie hat er es so schön ausgedrückt? ‚Bringt mir seine Asche, vielleicht taugt er wenigstens als Dünger.'“

Robert zögerte nicht weiter. Blitzschnell drehte er sich um und rannte auf den Ausgang der Gasse zu. Dem Blut in seinen Adern, der vampirischen Vitae, befahl er, seine Reflexe zu stärken. Es hatte Vorzüge, auf der toten Seite des Lebens zu stehen. Doch noch ehe er den Ausgang der Gasse erreichen konnte, standen ihm drei finstere Schlägervisagen im Weg. Zweifelsohne Handlanger des Prinzen, die ihm den Weg abschnitten. Ihm lief die Zeit davon. Mit Messern und einem Baseballschläger bewaffnet kamen sie auf ihn zu.

Ein kurzer Blick nach oben, eine Kniebeuge, dann katapultierte sich Robert in die Luft. Erneut machte er Gebrauch von seiner Fähigkeit als Kainskind, sich weiter, schneller, stärker fortzubewegen als ein normaler Mensch. Mühelos erreichte er die Feuerleiter, schwang sich über die Brüstung und eilte auf das Dach des Hauses. Aus der Seitengasse drangen empörte Rufe bis an seine Ohren.

Er brauchte einen Unterschlupf. Die Stadt war gefährlich geworden. Er hatte einen Prinzen verärgert, und die Camarilla, eine der großen und wichtigen vampirischen Sekten, machte keine großen Unterschiede darin, ob man von ihr gewusst hatte oder nicht. Für die Camarilla zählte in erster Linie, dass man sich unterordnete, Befehle befolgte, Aufträge erledigte und die Maskerade aufrecht erhielt, jenes Schauspiel, mit dessen Hilfe die Vampire ihre Existenz vor den Sterblichen verbargen.

Für einen kurzen Moment überlegte er, zu einem der Barone zu gehen, Anführer der Anarchen. Sie standen auf Kriegsfuß mit der Camarilla, hielten diese für ein Konstrukt der Älteren, um die jungen Kainskinder zu versklaven und zu unterdrücken. Den Anarchen stand vor allem der Sinn nach Freiheit, nach einem eigenbestimmten Unleben. Auch im Zeichen der Maskerade, doch ohne die hierarchischen Fesseln des Alters. Leider war sein Ruf auch dort nicht der Beste. Man würde sich kaum für ihn gegen eine Horde von Camarilla-Schlägern stellen.

Als er auf dem Dach angekommen war, hielt er erschrocken inne, in Gedanken und Schritt. Ihm lächelte das unveränderte Anlitz von Clissa entgegen. Irgendwie musste es ihr gelungen sein, vor ihm auf dem Dach anzukommen. Sie stand ihm so nahe, dass sie ihm mühelos über die Wange streicheln konnte.

„Ach, Robert. Du hast angefangen, mir zu gefallen. Und jetzt muss ich mir einen neuen Spielgefährten suchen.“

„Ich kann es wieder gutmachen, Clissa! Ich schwöre. Gib mir nur eine Chance, und ich…“

„Aber aber, Robert. Die hattest du doch schon.“

Robert bleckte die Zähne und wechselte in eine Angriffshaltung. Wenn sie ihn haben wollten, dann würde er sich nicht kampflos ergeben. Er konzentrierte sich auf Clissa, bereitete die Attacke bereits mental vor – und bemerkte zu spät seinen Irrtum. Aus dem Augenwinkel nahm er einen flammenden Punkt wahr, ein Geschoss aus Eisen, Holz und Feuer, das direkt in seinen Oberkörper fuhr. Unfassbarer Schmerz durchzog ihn, als das Feuer sich an seiner Kleidung und seiner Haut labte. Sonnenlicht und Feuer, wenig vermochte einem Schattengänger solche Schmerzen und solches Leid zuzufügen.

„Bitte…. bitte!“, kreischte er, unfähig vor Schmerz, das Feuer zu ersticken, das ihn immer mehr vereinnahmte.

„Ach Robert. Ein Spiel mit der Macht ist immer ein Spiel mit dem Feuer. Machs gut.“

Wenig später war von alledem nichts mehr zu sehen oder zu ahnen. Clissa und die Schläger waren auf und davon. Auf dem Dach jedoch lag nur ein kleiner Haufen Asche, die Reste eines Toten, der endgültig in die Hölle gefahren war. Eine morgendliche frische Brise trug sie in sanften Böen davon und verteilte sie in der Straße. Der Prinz würde zufrieden sein.

Worum gehts?

„Vampire: The Masquerade“ ist in erster Linie ein ganz klassisches Pen&Paper-Rollenspielsystem. Das Setting klingt nerdiger, als es ist: Mehrere Leute sitzen gemeinsam um einen Tisch, jeder mit einem ausgedruckten Charakterbogen, einem Bleistift, einem Radiergummi und einigen Würfeln vor sich. Einer der Spieler ist der Erzähler. Er hat eine Geschichte vorbereitet, die er mit den übrigen TeilnehmerInnen gemeinsam zu spielen gedenkt. Das heißt, er kennt die ganze Rahmenhandlung, wo die Geschichte spielt, wann sie spielt, was für Charaktere in ihr auftauchen, was zu tun ist oder wann die Gruppe erfolgreich sein wird.

Die übrigen SpielerInnen verkörpern allesamt Spielercharaktere in dieser Welt – hier: Vampire (oder Werwölfe, mit dem entsprechenden Regelwerk). Jeder dieser Vampire hat seine persönlichen Eigenschaften: verschiedene Attribute (Stärke, Geschick, Intelligenz, etc) und Talente (Hacking, Schusswaffen, Einschüchterung und vieles mehr). Vampire haben darüber hinaus auch noch einige vampirische Künste zu bieten, beispielsweise die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen. Oder die Möglichkeit, andere Leute durch die eigene unlebendige Existenz zu begeistern und zu verführen.

Die Kräfte, die ein Vampir haben kann, hängen unter anderem auch von der Wahl des Clans ab. VtM hat eine Reihe spannender Clans zu bieten. Da wären beispielsweise die Toreador, die eher künstlerisch und kreativ veranlagt sind und somit dem Menschen noch relativ nahe stehen. Ihnen dürfte es leicht fallen, allein durch ihr Auftreten Menschen zu begeistern, während andere sich in katzengleicher Geschmeidigkeit über schmale Abgründe hinwegbewegen. Die Tremere hingegen sind die Zauberer unter den Vampiren, die sich ihrer ganz eigenen Blutmagie befleißigen. Wesentlich rauer geht es bei den Brujah und den Gangrel zu, die es – zumindest tendenziell – lieber brachialer mögen. Ganz anders als die Ventrue, ein Clan von Vampiren, die sich selbst für das Höchste halten – und auch genauso agieren. Oh, und natürlich gibt es die Nosferatu. Von der (Un)Natur besonders gepeinigt durchleiden sie, wenn sie zum Vampir werden, auch eine heftige äußerliche Veränderung. Diese Entstellung macht sie für Menschen leicht als „Unnatürlichkeit“ erkenntlich und zwingt sie zu einem Leben in den Schatten. Aber das mag auch seine Vorteile haben.

Die verschiedenen Eigenschaften, Stärken und Schwächen der Vampire haben dabei durchaus Einfluss auf den Verlauf der Geschichte. Wann immer ein Spieler etwas ausführen möchte – an jemandem vorbeischleichen, jemanden überzeugen, gegen jemanden kämpfen – kann der Erzähler eine Würfelprobe verlangen. Nur, wenn die Würfel es gestatten, gelingt die Aktion. Manchmal aber gehen die Dinge ganz entsetzlich schief. Und schon nimmt die Handlung eine drastische Wendung…

Im Laufe der Geschichte erleben die gespielten Vampire gemeinsam ein Abenteuer. VtM konzentriert sich dabei eher an den narrativen Elementen des Spiels – Würfelorgien wie in Shadowrun darf man hier nicht erwarten. So gilt als Grundregel, dass kein Kampf länger als drei Runden dauern sollte. Denn im Vordergrund stehen hier gar nicht so sehr die aggressiven Auseinandersetzungen, sondern vielmehr das permanente Spiel mit moralischen Gegensätzen. Wenn es das vampirische Biest im Inneren nach Blut gelüstet – greifst du dir den nächstbesten Menschen und versnackst ihn? Oder zwingst du deinen monströsen Trieb in den Untergrund deiner Psyche. Welchen Vampiren vertraust du? Welchen traust du nicht über den Weg? Welcher Gruppierung schließt du dich an? Schließt du dich der Camarilla an, einer traditionell konservativen Vampirsekte? Oder doch eher den Anarchen, die für die individuelle Freiheit der einzelnen Vampire einstehen? Kommt euch die Zweite Inquisition auf die Schliche, eine Mischung aus Vatikan und NSA? Wie sich verhalten in einer dunklen Welt, in der niemand die Wahrheit sagt und oftmals die Absichten erst viel zu spät offenbart werden? Es sind diese narrativen Elemente, die für mich dieses Rollenspiel so viel erlebenswerter machen.

Eine Warnung sei mitgegeben: VtM ist ein erwachsenes Rollenspiel, das nicht davor zurückscheut, auch dunkelste Themen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie und noch weitaus Schlimmeres anzupacken. Trotzdem ist es ein Rollenspiel, und jede Gruppe ist selbst dafür verantwortlich, die Grenzen auszuloten, innerhalb derer man operieren kann ohne dass einzelne SpielerInnen den Spaß verlieren. Da hilft nur, sich zu unterhalten. Denn, so schreibt das Regelwerk gleich zu Beginn ganz richtig:

„Dies ist ein Spiel mit Monstern. Aber es ist nur ein Spiel. Benutzt es nicht als Ausrede, selbst Monster zu sein.“ (Vampire: The Masquerade v5 Rulebook)

Materialien

Wer von euch jetzt Lust bekommen hat, selbst in die Welt der Dunkelheit abzutauchen, dem sei das von Herzen anempfohlen. Doch was braucht es dafür? Einige Dinge sind dafür sicherlich unerlässlich:

  • das Grundregelwerk zu Vampire: The Masquerade (siehe unten)
  • einige D10, also zehnseitige Würfel; idealerweise in zwei verschiedenen Farben, vielleicht schwarz (normale Würfel) und rot (Hungerwürfel)
  • eine Spielgruppe; ideal sind erfahrungsgemäß ein Erzähler und drei bis fünf Spieler
  • Charakterbögen

Zu den Regelwerken ist zu sagen, dass es offenbar vor Kurzem erst einen gewissen Umstieg in den Spielmechaniken gegeben hat. Die aktuellste Version (Stand 2020) ist v5 aus dem Jahre 2018.

Soweit ich es verstanden habe – ich kenne die älteren Fassungen nicht direkt – haben sich einige Aspekte beispielsweise im Hinblick auf Blut und Hunger geändert. Früher brauchte es wohl Blutpunkte, um Disziplinen (=Vampirkräfte) auszuüben. Jetzt besteht stattdessen bei vielen Disziplinen die Gefahr, dass der innere Hunger eines Vampirs stärker wird. Auch die Hintergrundgeschichte wurde angepasst und modernisiert. Auch Vampire können Smartphones nutzen – wenn sie keine Angst vor der Inquisition haben.

Wer sich für die älteren Fassungen interessiert, für den ist vielleicht die Jubiläumsausgabe v20 interessant, die eine Art Zusammenfassung der Inhalte der älteren Versionen zu sein scheint.

Ich selbst war längere Zeit unentschlossen, habe mich dann als Neueinsteiger aber doch für die neuere Fassung v5 entschieden. Dass eingefleischte Kenner der Welt Schwierigkeiten mit einem Prinzipienwechsel haben und mit manchen Änderungen nicht gut klar kommen, das ist bei jedem größeren Versionssprung so. Aber klar ist auch: alle neuen Inhalte werden für die v5 adaptiert sein. Zudem gefällt mir das Gameplay mit der neuen Fassung durchaus ganz gut.

Hilfreich könnten vielleicht auch noch die folgenden Materialien sein:

  • Charakterbögen (wodnews bietet verschiedene Bögen für die v5 in Deutsch und Englisch an)
  • Startabenteuer (Englisch (umsonst), Deutsch (pay what you want); ACHTUNG: Nur der Erzähler sollte sich einlesen, für alle anderen gilt Spoileralarm!)

Darüber hinaus gibt es inzwischen auch bereits eine kleine Auswahl an Hintergrundbänden und Chroniken:

Andere Medien

Es gibt für VtM durchaus auch ein paar beliebte Videospieladaptionen. 2004 erschien „Vampire: The Masquerade – Bloodlines“, ein Rollenspiel aus der Ego- und Third Person-Perspektive. In einem langen und abenteuerlichen Handlungsbogen erzählt es die Geschichte eines neu „geborenen“ Vampirs, in dessen Haut die SpielerIn schlüpft. Die verschiedenen Kernkonzepte von VtM – die verschiedenen Clans, die Sekten, die Bedürfnisse eines Vampirs oder die Notwendigkeit der Maskerade – werden allesamt angeschnitten und verarbeitet, manchmal äußerst plakativ. Das Spiel hat leider nicht den Erfolg erzielt, den es trotz all seiner Bugs verdient gehabt hätte – aber es hatte 2004 unter anderem auch mit Half Life 2 zu konkurrieren.

Ein Blick in die Straßen von Santa Monica – es ist Nacht, es regnet und Vampire sind unterwegs. Was will man mehr? (Ausschnitt aus „Vampire: The Masquerade – Bloodlines“)

Wer sich heute noch für das Spiel interessiert – es ist unter anderem auf GOG oder Steam erhältlich, bei mir funktioniert der Titel auch auf Windows 10 immer noch hervorragend. Darüber hinaus gibt es einen inoffiziellen Fanpatch, der bis heute noch gelegentlich Updates erhält (zu finden in der ModDB).

Ein Screenshot aus Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2. Sieht das nicht unfassbar gut aus? (Quelle: bloodlines2.com – Media)

Wer sich mit der etwas angegrauten Optik nicht mehr so richtig anfreunden kann, der darf sich freuen: Noch in diesem Jahr soll der Nachfolger, „Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2“ erscheinen. Ich kann nicht garantieren, wie das Spiel werden wird, da zwischenzeitlich die Rechte verkauft wurden und der Titel nun von Hardsuit Labs entwickelt und von Paradox Interactive vermarktet wird. Aber wer sich wie ich schon darauf freut, der findet auf der offiziellen Webseite sicherlich ein paar schmackhafte Informationen dazu. Dunkle Nächte, flackernde Lichter, Spiegelungen in Pfützen – und das alles auch noch mit moderner Raytracing-Technologie. Hype!

Nachtrag! Zu meinem größten Bedauern wurde der Releasetermin von „Bloodlines 2“ erneut verschoben, damit wird der Titel nicht vor 2021 erscheinen. Außerdem durfte ich lesen, dass für dieses spannende Projekt sowohl der lead writer als auch der creative director gefeuert wurden. Bislang kenne ich keine Hintergründe zu dieser Entscheidung, aber es macht mich etwas nervös mit Blick auf das zu erwartende Produkt. Vielleicht ist diese harte Entscheidung aber auch eine Notwendigkeit, dass am Ende ein geniales Spiel erscheint? Es hilft nur warten und Blut trinken…

Jason Carl (rechts) erzählt eine Vampirgeschichte. Momentan sind 41 Folgen in der Playlist, mehr als genug Material! (Ausschnitt: Youtube/Geek & Sundry)

Wer gerne erzählten Geschichten lauscht und des Englischen mächtig ist, dem sei sehr dringend die Chronik „LA by Night“ empfohlen. In dieser mehrteiligen Youtube-Serie erleben wir die Geschichte von Annabelle, Nelli G, Victor Temple und Jasper, die im Rollenspiel von einigen (Voice-)Actors verkörpert werden. Erzählt wird die Geschichte von Jason Carl, der seinerseits als Gamedesigner und Publisher für die „World of Darkness“ unterwegs ist. Ich bin wirklich begeistert, wie gut die SchauspielerInnen teilweise die Charaktere verkörpern und wie fesselnd die Geschichten somit werden. Jason Carl tut mit seiner unaufgeregten, leisen Art sein Übrigens, um der Story die richtige Atmosphäre zu verleihen. Dringende Empfehlung – am besten gleich für die gesamte Playlist!

Von Stephan

Stephan ist derzeit Doktorand für Informatik an der Universität Basel. Er hat sowohl Ägyptologie als auch Informatik in München und Basel studiert. In seiner Dissertation wird er diese beiden sehr unterschiedlichen Studienfelder miteinander verbinden. Auch darum wird es auf dieser Webseite gehen - neben vielen anderen Bereichen, die in seinem Leben eine Rolle spielen.

2 Antworten auf „Angeblickt – Vampire: The Masquerade“

Ich bin durchaus erstaunt, wie lange es das schon gibt – und auf das Rollenspiel bin ich ja wirklich erst vor zwei Jahren aufmerksam geworden. Davor kannte ich natürlich das oben beschriebene „Vampire: The Masquerade – Bloodlines“ und wunderte mich immer ein wenig über das seltsame Fertigkeitensystem mit den komischen Punkten. Nun, jetzt weiß ich auch mehr.

Aber besonders reizt mich, dass es ein sehr viel… „erwachseneres“ Rollenspiel ist, mit vielen dunklen, unerwarteten und gefährlichen Aspekten. Weniger das klassische heroische „Wir sind Helden, hüpfen in den Dungeon, kloppen alles um und holen uns den Loot und die Prinzessin!“, und auch nicht das gegenteilige „Wir sind die schlimmsten Verbrecher, aber wenigstens auf der Seite des Guten“.

Mist. Ich bin schon wieder am Schwärmen.

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