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Taskmaster

Es sind düstere Zeiten – das Coronavirus bricht in lokalen Hotspots wieder vermehrt aus, noch immer wird man gebeten, von Zuhause zu arbeiten. Die Welt brennt an so vielen Ecken und Enden und Philipp Amthor wird nicht mehr Landesvorsitzender von Mecklenburg-Vorpommern. Es sind Zeiten, in denen man etwas Unterhaltsames braucht, um nicht völlig durchzudrehen.

Durch einen fantastischen Podcast (eine Vorstellung folgt in Kürze, deswegen greife ich an dieser Stelle nicht vorweg) bin ich auf Taskmaster aufmerksam geworden, eine britische Comedysendung. Zeit, einen genaueren Blick darauf zu werfen.

Worum geht es?

Das Sendungskonzept ist so klassisch und althergebracht, dass ich lange gezögert habe, ob ich sie wirklich sehen möchte. In aller Kürze: Es gibt einen Taskmaster, Greg Davies, begleitet von seinem Assistenten (little) Alex Horne. Ihnen gegenüber sitzen in jeder Staffel fünf frische britische Comedians, die nun pro Folge in einem Kampf um Punkte gegeneinander antreten, indem sie die Aufgaben bewältigen, die der Taskmaster ihnen stellt. Oder vielleicht sollte man genauer sagen: die angetreten sind. Denn der überwiegende Teil der Challenges fand vorab statt, wurde gefilmt und wird den Anwesenden samt Publikum nun in Form von Videos präsentiert. Am Ende entscheidet der Taskmaster, wer die Aufgabe am besten oder am schlechtesten erledigt hat – und verteilt auf diese Weise Punkte.

Herzstück der Sendung sind natürlich die Aufgaben. Die erste Aufgabe einer Sendung bleibt dabei immer die Gleiche: Die Comedians wurden gebeten, Gegenstände mitzubringen, die sie als Preise zur Verfügung stellen – und am Ende gewinnt der Episodensieger alle Objekte. Einzig die Kategorie wird vorgegeben, z.B. „wertvollster Gegenstand“ oder „ein Autogramm auf einem Gemüse“. Bereits für diese Aufgabe gibt es Punkte, die natürlich vollkommen willkürlich vom Taskmaster vergeben werden.

Von den übrigen Aufgaben möchte ich natürlich nicht zuviel verraten, darum greife ich mir nur eine als Beispiel heraus: Die Comedians kommen in ein steriles weißes Labor, darin nur ein Tisch und auf dem Tisch eine Wassermelone. Die Aufgabe:

„Iss soviel Wassermelone wie möglich. Du hast 1 Minute. Die Zeit beginnt jetzt.“

Leider befindet sich in dem Raum abgesehen von der Wassermelone – nichts. Wie also die Melone öffnen? Und hier beginnt die wilde Jagd nach (lustigen) Lösungen. Während einer die Wassermelone mit Schmackes auf den Boden wirft, sich neben das angerichtete Massaker kniet und die Melonenstücke vom Boden schlürft, geht die andere Kandidatin einfach wieder aus dem Raum und holt ein Messer aus der Küche. Alles, was es an Regeln für den erfolgreichen Abschluss der Challenge zu beachten gibt, steht im Umschlag – alles andere ist alleine der Fantasie und Kreativität der Comedians überlassen.

Die letzte Aufgabe findet dann „live“ im Studio statt. Die Comedians begeben sich auf eine kleine Bühne und erhalten eine weitere Aufgabe, die sie dann gleichzeitig erledigen müssen. In einer Episode mussten sie beispielsweise ein kleines Zelt aufbauen, in das Zelt kriechen, im Zelt einen Onesie anziehen und anschließend wieder aus dem Zelt kommen. Wer die Aufgabe am schnellsten erledigt, erhält auch die meisten Punkte.

Was ist gut daran?

Ich habe lange gezweifelt, ob ich mir das wirklich anschauen will. Spielsendungen mit langweiligen Aufgaben kennt man aus dem deutschen Fernsehen zu Genüge. Aber anders als wir Deutschen haben die Briten Humor – und schon wird die ganze Sache lustig. Die Aufgaben sind zumeist wirklich nicht der Rede wert, aber das, was die Comedians daraus machen, ist fantastisch. Es gibt teils absurd wörtliche Lösungen, teils äußerst kreative – und hin und wieder werden die Regeln auch bewusst gebogen und gebrochen. Manchmal werden auch andere Personen mit ins Spiel geholt – vor allem Alex Horne, der als „Moderator“ der Aufgaben gerne mit am Set steht. Manchmal vielleicht mit Gefahrenzulage, Stichwort „best cuddle“.

Neben den Aufgaben lebt die Sendung aber auch vom Witz zwischen den Videoclips. Dass es sehr lustig zugeht, wenn sich sieben Comedians gleichzeitig darüber lustig machen, wie die Aufgaben gelöst wurden, ist kein Wunder. Besonders sticht dabei natürlich der Taskmaster Greg Davies heraus, der in unverhohlener Willkür Lösungen bewertet und verurteilt, Punkte vergibt und die Comedians lustig und trotzdem auch sehr direkt auf ihre absurden Gedankengänge anspricht. Das alles jedoch nie beleidigend, nie empfunden unter der Gürtellinie, sondern immer mit gemeinsamem Humor an der Sache. Das schafft eine wahnsinnig wohlige, heimelige Atmosphäre.

Was ist nicht so toll?

Allerdings ist es auch diese Willkür, die es manchmal etwas schwierig macht, dem unbedeutenderen Teil der Sendung – der Punktevergabe – zu folgen. Insbesondere in späteren Staffeln versucht Greg Davies gar nicht einmal mehr, den Anschein von Objektivität zu wahren. Bitte nicht falsch verstehen, das ist eine Comedysendung, da geht das voll klar. Ich hatte irgendwann nur plötzlich das Gefühl, die ganze Punktegeschichte ist eigentlich nur noch Mittel zum Zweck, man könnten genauso gut darauf verzichten.

Nach sechs Staffeln merkt man auch, dass die Qualität der Aufgaben etwas nachlässt. Die ersten Staffeln bestachen meines Erachtens vor allem durch ihre Einfachheit. Etwa noch ein Beispiel: Die Comedians kommen in einen Raum, ihr Ziel: „Erzielt 11 Punkte“. Allerdings wird ihnen nicht gesagt, wodurch sie Punkte bekommen. Und weder der Zuschauder noch die Comedians wissen nun, was zu tun ist – ein großer Spaß, vor allem, wenn enthüllt wird, was die Aufgabe gewesen wäre. Keine Sorge, no spoilers here. 😉 In späteren Episoden machen die Aufgaben nicht mehr ganz so viel Spaß, werden komplexer oder wiederholen sich in ihrer Grundanlage. Weswegen ich bei den ersten Folge sehr oft und sehr herzhaft lachen konnte – später leider deutlich seltener.

LGBT?

Uff, eine Menge. Nicht nur, dass es einige LGBT-Comedians gibt, die an der Sendung als Kandidaten teilnehmen. An manchen Stellen wird es schon recht flirty, wenn zusätzliche menschlichen „Requisiten“ an den Aufgaben beteiligt sind! Daneben gibt es vor allem zwischen Greg Davies und Alex Horne einige sehr interessante „tensions“. Wo Alex anfangs nur den devoten Assistenten des Taskmasters mimt, schlägt das Ganze irgendwann doch in eine leicht romantische Beziehung um – wie sagt Alex Horne an einer Stelle so schön: Er liebt den Taskmaster wie seine Frau. Zu gleichen Teilen.

Manchmal wirkt das ein bisschen drüber, aber durch die insgesamt komische Atmosphäre verlieren solche Spielereien auch sehr an Schärfe. Insgesamt gesehen also eine Sendung, in der wenigstens ich mich wohlgefühlt habe und repräsentiert fühlte – obwohl ich das in einer solchen Comedyshow nicht einmal erwartet hätte. Umso mehr ein dicker Pluspunkt.

Wo finde ich das?

Auf Youtube – hier ein Link zum Taskmasterchannel.

Von Stephan

Stephan ist derzeit Doktorand für Informatik an der Universität Basel. Er hat sowohl Ägyptologie als auch Informatik in München und Basel studiert. In seiner Dissertation wird er diese beiden sehr unterschiedlichen Studienfelder miteinander verbinden. Auch darum wird es auf dieser Webseite gehen - neben vielen anderen Bereichen, die in seinem Leben eine Rolle spielen.

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