[GER] Review: Das Broadway-Musical Sister Act in München

Abstract: Recently I’ve been in the very last performance of the Broadway musical “Sister Act” at the Deutsches Theater in Munich, Germany. My personal rating: 4/10 points. Here I will give some insights why I am not totally thrilled about this particular show.

Am 9. Juli habe ich mir die letzte Vorstellung des Musicals Sister Act im Deutschen Theater in München angesehen – ein musikalisches Erlebnis, von dem ich an dieser Stelle gerne dediziert berichten würde. Wer das Musical anderenorts unbefangen erleben möchte, sollte sich diesen Artikel lieber nicht zu Gemüte führen. Ansonsten werde ich versuchen, mich kurz zu halten [Anmerkung nach Abschluss des Artikels: es blieb beim Versuch]. Meine Bewertung – in Form von Punkten auf einer Skala zwischen 0 und 10 –  vergebe ich anhand verschiedener Kategorien, die ich für den Musical-Besuch als relevant erachte – auch wenn nicht alles darin allein in der Verfügungsgewalt der Darsteller oder der Inszenierung steht. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Für mich zählt schlussendlich trotzdem allein mein persönliches Empfinden während des Besuches. Zu den wesentlichen Kriterien zählen für mich:

  • Story
  • Musik
  • Gesang
  • Schauspiel
  • Besetzung
  • Theater

Story

Das Musical Sister Act erzählt mehr oder weniger die Geschichte des ersten musikalischen Filmes “Sister Act – Eine himmlische Karriere” mit Whoopi Goldberg von 1992 nach. Protagonistin ist die Showsängerin Deloris van Cartier, die in einem abgeranzten Club unter der gnädigen Fuchtel ihres Lovers Curtis Jackson (im Film: Vince LaRocca) ein eher unbeachtetes Dasein fristet. Als sie per Zufall Zeuge wird, wie ihr Liebhaber einen Mann erschießt, der ihn verraten haben soll, wird ihr bewusst, dass sie sich mit einem Gangsterboss eingelassen hat.

Bei dem Ermordeten handelt es sich dummerweise um den einzigen Zeugen, den die Polizei für ein Verfahren gegen Curtis hatte. Umso wichtiger ist es für den zuständigen Detective Eddie Fritzinger (im Film: Lt. Eddie Souther), seine neue Kronzeugin bis zum Gerichtstermin unter Verschluss zu halten. Er versteckt Deloris kurzerhand in einem Nonnenkloster – nicht nur aufgrund ihrer reichlich unfrömmigen Lebensweise, sondern auch aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe ein beachtliches Unterfangen, sie nicht auffallen zu lassen.

Das Leben im Kloster geht demzufolge nicht ohne Reibungen vonstatten. Die Mutter Oberin hat bereits mit der Aussicht zu kämpfen, dass das Kloster wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen werden soll – so ist es allein die finanzielle Zuwendung der Polizei, die sie Deloris ertragen lässt. Nach etlichen Zwischenfällen wird diese in den Nonnenchor gesteckt – dessen gesangliche Künste bis dahin wahrlich “unbeschreiblich” sind. Deloris steigt stante pede zur Chorleiterin auf und verwandelt die Nonnen vom drögen Hallelujah-Sangeschor in einen reißerischen Gospelchor. Plötzlich strömen die Menschenmassen in die Kirche, der Glaube wird wieder attraktiv – sogar vor dem Papst soll der Chor auftreten.

Der mediale Rummel um den aufgetauten Nonnenchor bleibt nicht ohne Folgen: auch Curtis Jackson wird auf die erstaunliche Nonne aufmerksam und erkennt in ihr seine Gespielin Deloris wieder. Kurzerhand plant er, sie umzubringen, um sich selbst juristisch unangreifbar zu machen. Doch er hat die Rechnung ohne die neuen Freundinnen von Deloris gemacht: vor allem die beiden Schwestern Mary Patrick und Mary Robert setzen alles daran, ihre schmissige Ordensschwester Mary Clarence, wie Deloris im Konvent genannt wird, vor dem unausweichlichen Himmelsurteil zu bewahren. Mit Erfolg.

Die Geschichte endet in bunter Heiterkeit. Curtis Jackson sieht seinem wohlverdienten Urteil entgegen, nicht mehr in der Lage, Deloris van Cartier auszuschalten. Diese scheint endlich ihren Frieden mit ihrer katholischen Schulerziehung geschlossen zu haben – und findet ausgerechnet in den Nonnen die ersten echten Freundinnen ihres Lebens. Auch das Kloster profitiert: von einer Mutter Oberin, die endlich etwas auftaut. Und von der Aufmerksamkeit des Papstes, vor dem ein erfolgreicher Auftritt absolviert wird, nach dem die Schließung des Klosters wohl auf lange Zeit abgewendet sein dürfte. Schlussendlich hat die Geschichte auch für den gesetzestreuen Detective ein gutes Ende – mit einem innigen Kuss versichert er Deloris seine Gefühle, die er schon zu Schulzeiten für sie hegte. Kein sonderlich katholischer, aber dafür ein sehr emotionaler Abschluss.

Meine Bewertung: Die Geschichte orientiert sich grundlegend sehr eng an der filmischen Vorlage. Einige der Veränderungen sind problemlos zu verschmerzen – beispielsweise fehlende Lokalitäten wie das Kasinoverwirrspiel gegen Ende des Filmes, oder geänderte Namen. Wobei ich mit Eddie Fritzinger immer noch hadere. Nicht nur des schrecklichen Nachnamens wegen. Die Vorstellung, dass Whoopi Goldberg den Lieutenant Eddie Souther zum Ende des Filmes küsst und sich in eine innige Beziehung zu ihm stürzt, mutet reichlich seltsam an. Weshalb zieht man im Musical plötzlich diese Romantik-Karte? Wieso kannten sich Eddie und Deloris schon aus der Schulzeit? Prinzipiell sind das keine schwerwiegenden Veränderungen. Aber wieso man ausgerechnet hier die Detailliebe in der Umsetzung vernachlässigt und eigene Wege beschreiten muss, erschließt sich mir nicht. Musical lebt gewiss bis zu einem gewissen Grad von Kitsch. Aber zu viel schadet ihm eher. Ich plädiere daher: entweder hält man sich an die Vorlage, oder man lässt sich von ihr inspirieren. Aber bitte keine Zwischendinger.

Punktwertung: 6/10

 

Musik

Musikalisch blieb das Sister Act Musical leider absolut hinter den Erwartungen zurück. Am schwersten wiegt wohl das vollständige Fehlen bekannter Melodien oder Anklänge an den Film – insbesondere, da es sich bei der Vorlage ja auch schon um einen musikalischen Film handelte. Als großer Fan der Filme war ich reichlich enttäuscht, nicht wenigstens ansatzweise das Original heraushören zu können. Vielleicht sind dafür rechtliche Probleme ursächlich. Aber wenn ich schon versuche, einen erfolgreichen Musikfilm-Hit als Musical umzusetzen, sollte ich auch die entsprechenden Rechte besitzen.

Anstelle der bekannten Melodien wurde dafür allerhand… ja, was eigentlich geliefert? Schon während der Vorstellung hatte ich erhebliche Probleme damit, eine Verbindung zu den Stücken aufzubauen. Zu beliebig, zu gleichfarbig, viel zu unisono klingen die ganzen Songs. Ein komödiantischer Einheitsbrei, der aber musikalisch keine Feinheiten zu bieten hat. Um ehrlich zu sein hatte ich bislang noch in keinem Musical solche Schwierigkeiten mit der Musik. Spätestens in der zweiten Hälfte der Vorführung wünschte ich mir insgeheim eine große Leinwand und den originalen Film zurück. Musikalisch hätte es der Aufführung sicherlich gut getan.

Punktewertung: 1/10

 

Gesang

Vor allem die Hauptdarstellering der Deloris van Cartier, Aisata Blackman, hat eine hervorragende Performance abgeliefert. Ihre Stimme hat Fülle, ist kraftvoll und wandelbar, strahlt einen ansteckenden Charme aus. Beinahe möchte man auf die Bühne springen und mit ihr singen, wäre man sich nicht im gleichen Moment der Tatsache bewusst, niemals mithalten zu können. Ich halte nichts davon, Sänger untereinander zu vergleichen – denn jede Stimme ist auf ihre Art und Weise einzigartig. Doch Blackman hat mich in ihrer Interpretation der Deloris durchaus überzeugt. Ein großes Dankeschön für diese Darbietung!

Gut gefallen haben mir auch Abla Alaoui als Schwester Mary Robert und Maren Somberg als Schwester Mary Patrick. Die beiden taten ihr absolut Bestes, um den Charakter und die Besonderheiten ihrer filmischen Vorlagen so gut wie möglich umzusetzen – und strahlten dabei jede Menge Authentizität aus. Die Stimme von Abla Alaoui entsprach vielleicht nicht ganz meinen Erinnerungen an die nahezu heilige Stimmgeburt der Mary Robert aus dem Film – aber es sind große Fußstapfen, die hier zu füllen sind.

Leider gibt es auch zwei Charaktere, die mich gesanglich nicht begeistern konnten. Einer davon ist Mischa Mang als Curtis Jackson – wenngleich ich gestehen muss, dass er einen schweren Stand hatte. Wenn man so platte Liedzeilen abliefern muss wie “Erst spür ich sie auf, die Braut, dann mach ich sie kalt, die Braut”, dann lässt sich nur wenig gesangliches Potential abrufen. Möglicherweise ist der Supergangster auch nicht die richtige Rolle für ein Musical – sein filmisches Pendant wird aus gutem Grund keine Gesangseinlage gehabt haben.

Auch Agnes Hilpert als Mutter Oberin blieb weit hinter dem Rest des Casts zurück. Nicht nur wegen ihrer stimmlichen Unsicherheiten – an wenigstens zwei Stellen hielt sie abschließende Töne mindestens einen Viertelton zu niedrig, so dass ich mich an meinen alten Chorleiter erinnert fühlte, der immer sagte: “Ihr müsst die Töne von unten stützen! Stützen! Nicht runterfallen!”. Derartige Fehler färben leider auf den Rest der Performance ab, wenn man bei jedem Solo insgeheim fürchtet, ob sie die hohen Töne denn noch erreichen können wird. Auch ansonsten blieben ihre Auftritte eher langweilig und kraftlos in Erinnerung. Sehr bedauerlich – denn gerade die Rolle der Oberin bietet jede Menge Potential. Und so auch Agnes Hilpert – wie im Abschnitt Schauspiel ersichtlich werden wird.

Ebenfalls in der Kategorie Gesang will ich die Abmischung kritisieren. Es scheint inzwischen bei Musicals zum Standard zu gehören, die Begleitmusik so laut wie möglich aufzudrehen. Vielleicht ergibt man sich hierbei der Illusion, dass ein mittelmäßiges Lied schon ziehen wird, hämmert man es nur mit genug Bass in die Ohren der Zuhörer. Manchmal funktioniert das sogar. Mehr als einmal habe ich erlebt, dass ich Stücke im Theater hervorragend fand, die später unter leiseren Bedingungen zuhause nur noch nach plumpem Mittelmaß klangen. Da spielen aber sicherlich noch mehr Faktoren eine Rolle.
Was ich aber schmerzlich ankreide, ist die tonale Schwäche der Gesangsstimmen. Besonders deutlich wurde mir das bei Curtis Jackson, dessen Texte ich bisweilen wirklich nicht mehr verstehen konnte, so laut war die übrige Musik. Eine schlichte Katastrophe im Musical, in dem große Teile der Geschichte durch die Gesangsstücke transportiert werden sollen. Daher mein dringendes Plädoyer: mehr Stimme, weniger Background. Die Balance macht es, nicht die Lautstärke!

Punktwertung: 4/10

 

Schauspiel

Nach viel Kritik zu den gesanglichen und musikalischen Leistungen eine erfreuliche Kategorie: das Schauspiel. Denn hier kann ich, mit wenigen Ausnahmen, nur Bestnoten verteilen. Das Musical bietet eine grundlegend sehr gelungene Mischung aus Ernsthaftigkeit und Komödie. Insbesondere die Rollen der Klosterschwestern sind eindeutig auf den komödiantischen Anteil ausgelegt, und die Darstellerinnen absolvierten diesen Part mit Bravour. Schwester Mary Patrick strahlte unglaublich viel Lebensfreude und Spaß auf der Bühne aus – nach so vielen Vorstellungen sicherlich eine richtige Herausforderung. Auch das Zusammenspiel mit den übrigen Nonnen harmonierte hervorragend – kein Witz, der nicht zündete. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: während der gesamten Aufführung hatte ich nie den Eindruck, Schauspielerinnen vor mir zu haben. Die Nonnen wurden wirklich durch und durch authentisch verkörpert. Hervorragend!

Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle vor allem zwei Darstellerinnen: zum einen Aisata Blackman, die eine wirklich fantastische Deloris van Cartier ablieferte. Die Rolle schien ihr wie auf den Leib geschneidert. Blackman bringt nicht nur eine Natürlichkeit, eine Bewegungsfreude und Eleganz auf die Bühne – es gehört einiges dazu, eine Nonnentracht so um die eigene Hüfte zu schwingen, dass sie wie ein Tanzkleid wirkt. Nein, es macht einfach nur Spaß, ihr auf der Bühne zuzusehen, wenn sie mit strahlendem Lächeln einen Auftritt in einer Lounge spielt, wenn sie völlig schockiert erscheint von der Aussicht, im Kloster leben zu müssen, wenn sie plötzlich als Nonne auf die Gebetsbank springt, um im Chor ordentlich abzurocken. Ach, ein Genuss! Eher amüsant fand ich den leichten Akzent, der wohl aus dem Niederländischen stammt und den ich schon von der großartigen Willemijn Verkaik so gut kenne – am Anfang etwas schwierig zu verstehen, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.

Ebenso hervorzuheben ist Agnes Hilpert, die ich im Bereich Gesang gehörig kritisieren musste. Doch was das Schauspiel angeht, so hat sie Herausragendes geleistet. Tatsächlich erinnert sie mich maßgeblich an die Mutter Oberin der Fernsehserie “Um Himmels Willen”, als sie früher noch von Rosel Zech gespielt wurde. Eine meiner absoluten Lieblingsrollen im deutschen Fernsehen! Es ist diese zynische Mischung aus gottesnaher Frömmigkeit und pragmatischer Klosterführung, die auch hier einfach wunderbar funktioniert. Ein Glück für dieses Musical, dass Agnes Hilpert eine ganze Reihe von schauspielerischen Auftritten zu absolvieren hatte!

Meine persönlichen Schwachstellen im Musical: einmal der running gag des Detective Eddie Fritzinger, der in Stresssituationen offenbar zur Transpiration neigt und deshalb von Bekannten gerne “Schwitzefritze” genannt wird. Im Kontext von Gangsterboss, Gangsterbraut, Mord und Ähnlichem wirkt dieser Kinderwitz absolut unangebracht. Zudem wird er inflationär quer durch das ganze Musical gestreut. Mal unter uns: einen schlechten Gag kann man bringen. Einmal. Das reicht dann aber auch.

Meine zweite Schwachstelle ist ein Lied, in dem die drei Handlanger von Curtis Jackson, Joey, Pablo und TJ, sich darauf vorbereiten, die neue Schwesternonne zu verführen. Gewiss, es war sicherlich gewollt, mit einem Mal eher das Flair eines Bordells verbunden mit der Ansicht dreier Möchtegern-Lover zu erzeugen. Für mich persönlich hatte das in dieser Story nichts verloren. Auf diesen Beitrag hätte ich gut verzichten können. Unabhängig davon, dass ich zum gleichen Zeitpunkt gerade meine Mutter neben mir sitzen hatte. 😉

Punktewertung: 8/10

 

Besetzung

Hier kann ich nicht viel sagen, ohne mich zu wiederholen. Ich halte die Besetzung grundsätzlich für sehr gelungen, meine größten Kritikpunkte sind weniger den Darstellern als vielmehr der Inszenierung geschuldet. Ich will daher den Ort nur nutzen, um die Besetzung bei meinem Besuch zu notieren:

  • Deloris van Cartier: Aisata Blackman
  • Mutter Oberin: Agnes Hilpert
  • Schwester Mary Robert: Abla Alaoui
  • Schwester Mary Patrick: Maren Somberg
  • Schwester Mary Lazarus: Regina Venus
  • Curtis Jackson: Mischa Mang
  • Eddie Fritzinger: Karim Ben Masur
  • Monsignore O’Hara: Franz-Jürgen Zigelski
  • Joey: Benjamin Eberling
  • Pablo: Sebastian Rousseau
  • TJ: Arcangelo Vigneri
  • Dirigent: Shay Cohen

Punktewertung: keine

 

Theater

Meine Güte, was für ein wunderschöner Theatersaal! Es ist eine Weile her, dass ich das letzte Mal im Deutschen Theater in München war. Und damit meine ich das ganz normale Theatergebäude in der Schwanthalerstraße 13. Denn über lange Zeit war eben jenes renovationsbedingt geschlossen. Eine Vorstellung von “Elisabeth” musste ich so notgedrungen in einem Zelttheater vor den Toren der Stadt erleben – ein denkwürdiges Ereignis, bei dem mitten im Winter gefühlt noch die Klimaanlage lief.

Aber das ist Geschichte. Der Theatersaal sieht einfach nur wunderbar aus. Die Beleuchtung des roten Saales erfolgt über beleuchtete weiße Streifen, die sich symmetrisch, aber doch unregelmäßig über die Wände ziehen. In den Foyers vor den Eingängen hängen traumhafte Leuchter, eine Art moderner Kronleuchter – sehr eckig, sehr geometrisch, und mit farbigen LED-Beleuchtungen, wenn ich mich recht entsinne.

Etwas gewöhnungsbedürftig war vielleicht der Eingangsbereich – ein gleißendes Lichterpink, durchbrochen von einigen blauen Spotlights, lädt nur kurzfristig zum Verweilen ein. Stattdessen verspürt man umgehend den Drang, sich seiner Garderobe zu entledigen und dann so schnell wie möglich auf den Platz zu begeben. Taktik?

Besonders betonen möchte ich das Personal. Nicht, dass mir allzu viele Personen aufgefallen wären – ich gehöre zu der Kategorie Mensch, die in Theatern per se die Garderobe scheut wie der Teufel das Weihwasser. Doch die jungen Damen, die mir begegnet sind, waren überaus freundlich, hilfsbereit und kompetent. Diese Menschen, die für den reibungslosen Ablauf des Theaterbesuchs unerlässlich sind, sollte man nicht vergessen. Denn wer von einem freundlichen Lächeln begrüßt wird, der geht mit einem guten Gefühl in das Musical – und verlässt es auch wieder mit einem guten Gefühl.

Schade bleibt, dass München noch immer (!) keine eigenständige Musicalbühne besitzt. Für eine Stadt, die sich selbst als Kulturhauptstadt der Bundesrepublik ansieht, ist das ein ganz gehöriges Manko. Ich kann mir gut vorstellen, dass über Bau, Finanzierung und Umsetzung schlussendlich dann beschieden und realisiert wird, wenn Musicals längst nicht mehr der “geile heiße Scheiß der Kulturszene” sind. München darf sich hier durchaus Anleihen nehmen in Basel: bei deutlich geringerer Bevölkerungszahl leistet man sich hier neben diversen Museen auch ein Theater und eine eigenständige Musicalbühne. Doch für diese städteplanerischen Unzulänglichkeiten kann und will ich weder das Musical noch das Deutsche Theater verantwortlich machen. So sei mir dies lediglich als leicht enttäuschte Randbemerkung gestattet.

Punktewertung: 8/10

 

Fazit

Ich bin froh, für diese Aufführung nach München gefahren zu sein. Es war ein unterhaltsamer, spaßiger Abend, den ich durchaus sehr genossen habe. Allerdings muss ich dieses Musical in den Kontext all derer stellen, die ich bislang sonst so sehen durfte. Und hier kommt Sister Act vor allem musikalisch bei Weitem nicht an das entsprechende Niveau heran. Da für mich persönlich (!) das musikalische Vermächtnis einer solchen Aufführung im Regelfall deutlich schwerer wiegt als das kurzweilige komödiantische Element, ziehen das Fehlen von herausragenden musikalischen Beiträgen und die gesanglichen Ungereimtheiten mein Gesamtvotum deutlich nach unten. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei um eine höchst subjektive Bewertung handelt. Wer dieses Votum als zu streng erachtet, dem sei dies natürlich unbenommen.

Punktewertung: 4/10

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