Schülererinnerungen – Vom Ei zum Brei

Letzte Nacht lag ich dank dieser irrsinnigen Hitze mal wieder wach in meinem Bett und konnte nicht einschlafen. Je dringender man den Weg in das erholsame Traumland sucht, desto eher fangen die Gedanken an zu kreisen – wer kennt dieses Problem nicht? In meinem Fall holten sie ein paar Erinnerungen an längst vergangene Tage zurück an die Oberfläche, an meine Schulzeit.

Ich hatte grundsätzlich eine sehr gute und glückliche Schulzeit, erinnere mich auch heute noch gerne an viele Menschen dort zurück und weiß, dass ich den Lehrern in Grundschule und Gymnasium viel von dem zu verdanken habe, was ich heute kann und bin. Trotzdem gibt es Episoden, die mir lebhafter in Erinnerung sind als andere. Eine dieser Episoden war das Eier-Experiment aus der fünften Klasse.

Vorausschicken möchte ich, dass der zugehörige Lehrer – zuständig für die Vermittlung von Deutsch und Geschichte – bis heute zu meinen absoluten Favoriten zählt, dem ich rückblickend viel verdanke und der mich vermutlich weitaus mehr geprägt hat, als ich das selbst heute begreifen kann. Er war ganz zu Beginn mein Klassenlehrer für Deutsch in der fünften Klasse am Gymnasium und dann wieder ganz am Ende als Leistungskurslehrer für Geschichte auf meinem Weg zum Abitur. Alpha et omega, also Anfang und Ende. Wie passend.

Nun, das Eier-Experiment trug sich wie gesagt in der fünften Klasse zu und fand damit im Rahmen des Deutschunterrichts statt. Wobei ich mich an die Zusammenhänge nicht mehr im Detail erinnern kann. Jedenfalls mussten wir Schüler uns in kleine Gruppen aufteilen und bekamen eine Aufgabe gestellt, die wir mit etwas Zeit – ich bilde mir ein, es seien eine oder zwei Wochen gewesen – lösen mussten.

Die Aufgabe: Wir lassen im Treppenhaus ein Ei aus dem zweiten Stock in den Keller fallen und es muss diesen Sturz überleben.

Ich erinnere mich sogar noch grob an die Überlegungen, die meine Gruppe und ich uns damals gemacht hatten. Sollten wir versuchen, den Fall des Eis mit einem Fallschirm zu verlangsamen? Oder sollten wir das Ei beim Aufprall möglichst gut polstern? Oder sollten wir beides versuchen? Wie sollte man den Fallschirm befestigen? Worin könnten wir das Ei einwickeln?

Schlussendlich entschieden wir uns für die Polsteridee: Das Ei kam in eine gut ausstaffierte Tupperbox, diese wiederum in einen Ring aus Schaumstoff, der abschließend mit mehreren Lagen dieser wunderbaren Luftpolster-Knickerfolie umgeben wurde. Ganz sicher war ich mir allerdings nicht, ob das klappen würde. Trotz all der Polsterung – würden die Materialien den Druck des Aufpralls nicht einfach an das Ei weitergeben? Es gab einige hitzige Diskussionen über den erwarteten Ausgang des Experiments, was zwar sehr physikalisch klang, letztlich mit der Physik der Realität aber nicht viel zu tun gehabt haben dürfte.

Am Tag der Entscheidung versammelten wir uns tatsächlich im Treppenhaus der Schule und der Reihe nach durften die Gruppen ihre Experimente vorführen. Es gab es auch einige Fallschirmlösungen, diese allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Es musste anschließend viel geputzt werden. Unser Ei hingegen überlebte den Fall! Vielleicht sogar ein kleines bisschen zu gut. Wir deponierten das Experiment im Klassenzimmer, um es später mit nach Hause nehmen zu können, und vergaßen es. Zu Beginn der nächsten Woche wunderten wir uns dann über den schwefeligen Geruch im Zimmer… 😉

Was will ich mit dieser kleinen Geschichte zum Ausdruck bringen? Meine Schulzeit in der fünften Klasse ist inzwischen auch schon ein Weilchen her, und 13 Jahre Schulzeit bergen jede Menge Erinnerungen, gute wie schlechte. Trotzdem gibt es manche Dinge, die bleiben einem mehr im Gedächtnis als andere. Dieses Experiment war so ein Ding, an das ich auch heute noch gerne zurückdenke. Vermutlich ging es weniger um die Vermittlung von Deutschkenntnissen, als vielmehr um die Fähigkeit, im Team gemeinsam eine problemorientierte Lösung zu finden. Aber es hat unfassbar viel Spaß gemacht. Und ist für mich bis heute ein Beispiel dafür, wie toll Unterricht bisweilen sein kann.