Ich habe F.R.I.E.N.D.S gesehen!

Ich habe noch nie in meinem Leben Friends gesehen. Ist das zu glauben? Die Sendung wurde damals zum ersten Mal 1994 ausgestrahlt und lief bis 2004, es gab ganze zehn Staffeln und die Show wird sogar häufiger zitiert oder mit schönen Erinnerungen verknüpft als How I Met Your Mother (das ich absolut gesehen habe, und das nicht nur einmal!) – und trotzdem bin ich nie in Berührung damit gekommen. Was vielleicht auch daran liegt, dass es in Deutschland ebenfalls eine Serie Friends gab, mit Mariele Millowitsch und Walter Sittler. Mir war damals nicht ganz klar, dass es dabei um verschiedene Sendungen ging… Wie dem auch sei. Es hat mich glaube ich auch ein paar Dates gekostet, dass ich Friends nicht kannte. Es scheint ganz so, als hielte diese Sendung für manche Menschen sehr bedeutsame Erinnerungen parat, und wenn jemand das nicht teilen kann, fliegt er aus dem Raster. Es war also allerhöchste Zeit, diesen Makel zu beheben und endlich mal reinzuschauen. Glücklicherweise gibt es die Show ja auf Netflix, insofern gab es auch keine große Ausrede es nicht zu tun.

Warnung: Dieser Beitrag enthält Spoiler. Wer noch länger als ich auf diese Show warten will, wechselt jetzt besser zu einem anderen Artikel!

Okay, ich halte die Spannung ja selbst nicht mehr aus: Was für eine fantastische Sitcom! Das in einem Ruck durchzuschauen war absolut kein Problem. Während der ersten Folge hatte ich irgendwas im Kopf zwischen „Oh, die 90er, ich bin endlich wieder zuhause!“ und „Wieso haben die da keinen Friseur am Set, das sieht ja grausam aus!„. Es dauerte trotzdem keine Sekunde, bis ich die sechs verschiedenen Charaktere verinnerlicht und ins Herz geschlossen hatte. Wer hätte nicht  gerne eine solche Runde an Freunden um sich, von denen wirklich jeder ein typisches Klischee erfüllt? Ich bin mir sicher, ihr könnt euch an alle erinnern. Etwa an Monica, die zwangsneurotische Köchin ohne Job, ohne festen Freund und ohne Achtung seitens ihrer Eltern. Oder ihren Bruder Ross, Paläontologe, Nerd und erstaunlich erfolgreich bei Frauen. Chandler Bing, der… ja, was genau macht der eigentlich beruflich? Egal. Interessanterweise gibt er immer vor, der große Loser der Gruppe zu sein, dürfte aber schlussendlich mit der erfolgreichste bleiben. Dann natürlich Phoebe – „das Rätsel“. Oder Joey, der Frauenmagnet, auf der steten Flucht vor allem, was sein Kopfinneres zu schwer werden lassen könnte. Und natürlich Rachel, die arme Reiche, mit ihrer seltsamen On-Off-Beziehung zu Ross. Hach, ich mag diese Truppe.

Der zweite Gedanke, der sich mir aufgedrängt hat, war ebenso offensichtlich. Die krassen Parallelen zwischen Friends und How I Met Your Mother sehe ja wohl nicht nur ich, oder? Zum Beispiel Chandler Bing – quasi DIE Vorlage für den späteren Barney Stinson, natürlich ohne seinen zweifelhaften Erfolg bei Frauen. Matthew Perry und Neil Patrick Harris sehen sich sogar ein kleines bisschen ähnlich. Von der Kopfform her. Okay, ich hatte Barney lange nicht mehr gesehen. Egal. Sie lieben sogar beide Anzüge! Und niemand weiß, was sie eigentlich beruflich machen. Oder diese merkwürdige Parallele zwischen Ted Mosby (Nerd, Architekt, steht auf seine beste Freundin, mit der er mal eine Beziehung hatte) und Ross Geller (Nerd, Paläontologe, steht auf seine beste Freundin, mit der er mal eine Beziehung hatte). Gut, für Phoebe sehe ich spontan kein Äquivalent. Die ist eben einmalig, das ist gut so.

Allerdings – und das beunruhigt mich ein kleines bisschen – zog sich Friends in der zweiten Hälfte etwas. Vor allem so rund um Staffel sechs oder sieben. Was, das nur am Rande bemerkt, auch ungefähr der Moment war, an dem mich HIMYM zu langweilen begann. Ist das so eine Sache bei Sitcoms? Ich meine, der Anfang ist ziemlich klar, da werden die Charaktere eingeführt, alles ist neu, aufregend, man entdeckt die Leute und sortiert sie Stück für Stück in seine Schubladen ein. Dann gab es natürlich diesen Twist, als Chandler und Monica ihre Beziehung zueinander entdeckten, damit hatte ich nicht gerechnet. Und im Anschluss hatte ich eigentlich ein Zerbrechen dieser Beziehung erwartet – und wurde überrascht. Schön! Trotzdem fühlte sich die Show ab einem gewissen Punkt ein kleines bisschen… leer an. Wie fasse ich das am besten in Worte? Es fühlte sich an, als hätten die Drehbuchautoren einfach keinen Inhalt mehr für die ganzen Folgen gehabt. Und so wurde die Frage nach dem „Wer liebt Rachel und wer bekommt sie am Ende?“ zum hauptbestimmenden Thema. Sicherlich nicht das einzige Thema, die einzige Situation in den letzten Folgen, ich weiß! Aber ein sehr dominantes Thema, das schlussendlich etwas ermüdete. Oder ging das nur mir so? Das heißt natürlich nicht, dass ich die Episoden nicht mochte. Sie wurden nur etwas… vorhersehbar.

Erstaunlich fand ich auch, wie oft und offen LGBT-Themen angesprochen wurden. Man denke nur an Ross‘ Exfrau, die plötzlich entdeckt, dass sie lesbisch ist und eine andere Frau heiraten will. Oder die immer mal wieder thematisierte sehr enge Bindung zwischen Joey und Chandler. Die Szene, in der die drei Jungs in einer Restauranttoilette miteinander reden – Chandler unbekleidet in einer Kabine verschanzt. Mir kommt auch eine Saunasituation in die Erinnerung. Einige Küsse zwischen den Frauen der Gruppe, oder diese Kussbeziehung von Rachel irgendwann in der Vergangenheit (irgendein Camp? Ich erinnere mich nicht mehr). LGBT war sicherlich nicht das Hauptthema der Show, das weiß ich selbst, aber trotzdem war dieses Thema doch bisweilen zu spüren. Vielleicht nicht immer nur in einer positiven Art und Weise. Manchmal fühlte es sich schon so an, als wäre der bloße Gedanke daran, einen anderen Mann zu berühren, für so manchen der Charaktere ein Todesurteil. Wobei – Ross‘ und Joeys gemeinsames Nickerchen auf der Couch war doch nett. 😉 Aber das spielt alles keine Rolle, immerhin reden wir hier von den 90ern. Es fiel mir nur auf, weil ich positiv überrascht war.

Wie dem auch sei. An dieser Stelle sei also einigen meiner Freunde gedankt, die immer wieder und sehr penetrant Friends erwähnt haben und sich überrascht und eher unverhalten darüber gezeigt haben, dass ich Friends nicht kannte und so gar nicht bereit war, diese Wissenslücke meinerseits zu schließen. Ich hätte gleich auf euch hören sollen, ich gebe es ja zu! Aber mit diesen Worten kann ich jetzt verkünden: Ich habe Friends gesehen! Endlich ist dieser Makel dahin!